Als die Nacht auf ihre dunkelste Stunde zuging, tat er einen Schwur.“
Bodensee, 814 n.Chr. – Der sechsjährige Atto wird von seinen Eltern dem Inselkloster Reichenau übergeben. Der Junge hasst sein neues von Tristheit und Konflikten bestimmtes Leben. Die Freundschaft zu dem jungen Walahfrid Strabo gibt ihm schließlich Halt. Auch im Baumeister des Klosters findet Atto einen Mentor, die Leidenschaft fürs Bauen weckt seine Lebensgeister. Da geschieht ein tragischer Unfall, der Atto in tiefe Verzweiflung stürzt. Er leistet einen Schwur, der ihn auf ewig bindet und sein Schicksal für immer verändert…
Eine sehr schöne Rezension von Dr. Anton Vogel:
Als das Campus Galli fast im Frühmittelalter entstand
Wer Yngra Wielands frühere im Burgenwelt-Verlag erschienene Romane wie „Der Tanz der Schäfflerin“ (2015) und „Das Geheimnis der Flößerin“ (2017) kennt, erwartet ein Szenario, worin dunkle Intrigen und kalte Machtinteressen die integren Ziele der Hauptfigur umspinnen und ein noch gefährlicheres Geheimnis aus deren Vergangenheit ins Spiel bringen. Mit einem Hauch des Geheimnisvollen umwittert ist auch das früh beschlossene Schicksal ihres neuen Protagonisten, des Grafensohnes Atto, der in den letzten Lebensjahren Karls des Großen auf der Benzenburg im heutigen Oberschwaben das Licht der Welt erblickt – nötigt doch die Reue für sündhaftes Tun seine Eltern zu dem Gelübde, ihr Kind als puer oblatus in die Obhut des Klosters Reichenau am Bodensee zu geben.
Im frühen 9. Jahrhundert, in einer Zeit, da soziale Beziehungen und Unterstützung ausschließlich auf Verwandtschaft beruht, bedeutet ein solches elterliches Gelübde für den Siebenjährigen eine Verstoßung aus dem Elternhaus. Graf und Gräfin von Rohrdorf beschließen – schweren Herzens – das dem Sohn von Rechtes wegen zustehende Erbe ebenfalls der Abtei zu vermachen, sodass Atto sein Leben gänzlich in der Hand der strengen Benediktinermönche verbringen muss. Ein Dargebotener eben, ein Gott Geweihter, ohne Besitz, gänzlich dem Beten und der bildungsreichen Arbeit bestimmt. Erst Jahre später trifft er als jung erwachsener Mönch seine Eltern wieder und erfährt von dem Geheimnis, das sie damals zu dem Schritt bewogen hat. Atto hat einen schmerzlichen und zugleich stärkenden Weg der Reife hinter sich, hat im Kloster den Verlust geliebter Mitbrüder erlebt, seine Liebe zu Architektur und Rechenkunst entwickelt und sich auf den Weg gemacht, seinen Traum zu verwirklichen: die Gründung einer mustergültigen, revolutionären Klosterstadt nach selbst erstellten Plänen – unterstützt von seinem besten Freund, dem späteren Reichenauer Abt Wahlafrid Strabo, einer der geschickt in die Handlung eingeflochtenen historischen Figuren. Nahe der elterlichen Burg soll das neue Kloster entstehen – auf dem Hackenberg bei Rohrdorf (Stadt Meßkirch), wo jedes Jahr Freiwillige mithelfen, das seit 2012 entstehende „Campus Galli“ nach den Plänen des Sankt Galler Klosterplans weiterzuentwickeln.
Mit ihrer klaren, bildreichen Sprache nimmt die Autorin ihre Leserschaft mit auf eine Zeitreise in die Epoche der Karolinger, lässt vor ihren Augen den morgendlichen Wald im sonnendurchfluteten Nebel tropfen, schält die Klostergebäude der Reichenau aus den Nebeln, die vom Bodensee aufsteigen – dem Bodomo, wie er in damaligen Urkunden genannt wurde. Zeitgenössische althochdeutsche oder lateinische Namen – wie Puachawa für Bad Buchau oder Augia Felix für die Reiche Auge, die Reichenau – vertiefen die authentische Atmosphäre des Romans. Während in vielen anderen Mittelalterromanen Frauen die Hauptfiguren stellen, gelingt Yngra Wieland mit dem Charakter des Oblaten, Novizen und schließlich Mönches Atto ein weiterer Kunstgriff: Einer weiblichen Figur mit ihrem Kampf um Anerkennung, Verwirklichung eines im Wesentlichen gemeinnützig orientierten Traums oder die wahre Liebe steht hier im Kampf gegen die Mächte einer männerdominierten Welt die gelobte Armut und Keuschheit eines Mönchs gegenüber, der aus diesen Beschränkungen in die Welt hinaustritt. Mit Spannung und Anteilnahme begleiten wir Attos verschlungenen Weg bis zu dem Punkt, an dem auch er lernt, seine Bedürfnisse von seinen Träumen und Wünschen zu unterscheiden – an dem er feststellt, dass sein wahrer Triumph in der Erkenntnis besteht: „Du hast die richtige Entscheidung getroffen.“
Trailer
den Trailer finden Sie auf Youtube unter:
https://youtu.be/8R2MYr8LnI8




